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Geschichte der Konfirmation

Schritt ins Erwachsenenalter — Aus der Geschichte der Konfirmation

Von epd-Redakteurin Brigitte Jonas

Frankfurt a.M. (epd). Ein Blick in die Geschichte verrät, dass in den Kirchen der Reformation seit dem Jahr 1538 konfirmiert wird. In der so genannten „Ziegenhainer Zuchtordnung“ des Reformators Martin Bucer (1491-1551) wurde erstmals eine Konfirmationsordnung festgelegt: Die Kinder sollten danach zunächst im Katechismus unterwiesen werden, bevor sie der Gemeinde „dargestellt“ und „confirmieret“ werden. Die Jungen und Mädchen wurden damit in die Gemeinde aufgenommen.

Die meisten Konfirmationsgottesdienste werden hier zu Lande traditionell in der Zeit zwischen Palmsonntag und Pfingsten anberaumt. Als Konfirmationstermin erfreute sich lange Zeit der „Weiße Sonntag“, der erste Sonntag nach Ostern, besonderer Beliebtheit. Aber auch der Ostertag selbst und Pfingsten wurden vielerorts gern als Konfirmationstage begangen. Im einstigen Fürstentum Hessen fand die Konfirmation sogar drei Mal im Jahr statt und zwar „am Tag der Geburt unseres Herrn Jesu Christi, am Ostertag und an Pfingsten“.

Im 20. Jahrhundert zählte vielerorts jedoch „Palmarum“, der Sonntag vor Ostern, zu den bevorzugten Einsegnungsterminen, was in Zusammenhang mit der um diese Zeit stattfindenden Schulentlassung zu sehen ist. Die feierliche Einsegnung der Konfirmanden und deren erste Teilnahme am Abendmahl galt als wichtiger Einschnitt im Leben, der zugleich als erster Schritt ins Erwachsenalter verstanden wurde.

Die in feierliches Schwarz gekleideten Kinder wurden mit einem Glück bringenden Rosmarinsträußchen am Kragen aus der Schule „ins Leben hinaus konfirmiert“. Doch während man es inzwischen mit der Kleiderordnung nicht mehr allzu eng sieht und auch die Vorstellungs- und Konfirmationsgottesdienste in zeitgemäßer Form begangen werden, ging es früher am Konfirmationstag feierlich-steif zu.

Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenleben zeigte sich auch in einer neuen Kleiderordnung: Die Jungen trugen ihre ersten langen Hosen und die Mädchen ein längeres, zumeist schwarzes Kleid, sowie die ersten Schuhe mit höheren Absätzen. Mancherorts trugen die Konfirmanden aus Anlass ihrer Einsegnung das erste Mal die ortsübliche Tracht der Ledigen oder die typische, ihrem Stand angemessene Abendmahlskleidung.

Als Pflicht der Paten galt es, für die Bekleidung ihrer Patenkinder aufzukommen und die traditionellen Konfirmationsgeschenke zu überreichen. So wurden in vielen Gegenden reich mit Goldschnitt verzierte Bibeln, fein genähte Hemden und bestickte Taschentücher verschenkt. In ländlichen Gegenden übergab man zuweilen lebende Tiere, die den Grundstock für das spätere Auskommen bilden sollten. Beliebt waren zum Beispiel Gänse, deren Flaumfedern regelmäßig gerupft und verwahrt wurden, um später das Brautbett damit zu füllen.

Die Konfirmation galt damals wie heute als großes Familienfest, zu dem die Verwandtschaft möglichst vollzählig anreiste. Nach dem Gottesdienst hatten die Neukonfirmierten, die fortan öffentlich mit „Sie“ angesprochen werden mussten, ihre ersten Pflichten als „junge Erwachsene“ wahrzunehmen: Sie mussten sich bei ihren Paten und bisherigen Lehrern bedanken.

Mancherorts war es auch Brauch, dass der jeweilige Konfirmandenjahrgang gemeinsam einen Baum zur Erinnerung an den Tag der Einsegnung pflanzte. Heutzutage ist eher ein Gruppenfoto mit Pfarrer vor der Kirche üblich. Spätestens dann entschwindet man auf schnellstem Weg zum vorbestellten Festessen.

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